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Gottes Kraft in unserer Schwachheit

von Andi
Eine Blume durchbricht trockenen Boden - welche Kraft!

Worum geht es?

Man muss stark sein, um Schwächen einzugestehen. Normalerweise versuche ich meine Schwächen zu verbergen, aber es ist enorm befreiend, wenn man sich einfach so geben kann, wie man ist – mit allen Schwächen.

Ich möchte mit diesem Artikel ein geistliches Prinzip untersuchen, das sich durch die ganze Bibel zieht: Gott gebraucht schwache Menschen, um seine guten Pläne auszuführen.

Mose verbrachte die ersten 40 Jahre seines Lebens mit der Überzeugung, er sei etwas Besonderes. In den zweiten 40 Jahren musste er erkennen: Ich bin ein Niemand, und im dritten Abschnitt seines Lebens erkannte er, dass Gott jemand ist, der mit einem Niemand etwas bewirken kann.

D. L. Moody

Ich hoffe mal, dass ich diese Phasen schneller durchschreiten werde. Die ersten 40 Jahre sind vorbei, daran lässt sich nichts mehr ändern. So erlebe ich diese zweite Phase: Wenn ich denke, alles aus eigener Kraft erledigen zu können, dann lässt mich Gott laufen, und es geschieht nichts Besonderes. Wenn ich aber am Ende meiner „Weisheit“ angekommen bin, dann erlebe ich oft Gott.

Schwache Helden

Mose ist nur einer der schwachen Helden der Bibel, ein schweigsamer Kronprinz im Schatten des Pharaos. Hier sind noch mehr:

  • Josef war ein Sklave, im Gefängnis vergessen.
  • Gideon war der Geringste in seiner Familie und arm noch dazu.
  • David war ein einfacher Hirte, und auch noch der Schwächste in der Familie.
  • Jeremia war jung und unerfahren.
  • Johannes der Täufer war eine Unbekannter, der in der Wüste lebte.
  • Die Jünger waren einfache Fischer.

Unsere Auswahlkriterien und Gottes Erwählungsprinzipien

Jedes Unternehmen versucht, die besten Leute an sich zu ziehen: Die Intelligentesten, die Stärksten, die Angesehensten. Bei Gott ist das anders. Wenn Gott jemand auswählt, dann sind das die Schwachen, scheinbar Ungeeigneten. Die Erwählungsprinzipien Gottes findet man schön aufgelistet in 1. Korinther 1, 26-29, dazu auch noch eine Erklärung, warum Gott das so macht:

In der NGÜ Übersetzung heißt es zum Schluss: “Denn niemand soll gegenüber Gott prahlen können!”

Ist es nicht erstrebenswert, stark zu sein? Erziehen wir unsere Kinder nicht dazu, starke Menschen zu werden? Möchte Gott schwache Menschen? Ich glaube nicht, dass man das daraus ableiten kann, denn erstens lässt uns Gott nicht so wie wir sind und zweitens kommt es auf unsere Haltung gegenüber Gott an und nicht darauf, ob ich in mir selbst schwach bin.

Ich möchte in 4 Punkten dieses seltsame Prinzip näher erläutern:

  1. Gott wählt Schwache aus
  2. Gott will, dass wir stark sind
  3. Fallbeispiel: Gottes Kraft in Jesus
  4. Die Kraft von Jesus in uns

1. Gott wählt Schwache aus

Paulus war ein hoch gebildeter Mann, römischer Staatsbürger, Schüler des berühmten Gamaliel. Im Brief an die Philipper schreibt er, worauf er alles stolz sein könnte:

  • Er wurde 8 Tage nach seiner Geburt beschnitten – wie es sich als Israelit gehört.
  • Er ist ein echter Israelit, aus dem Stamm Benjamin, wie auch seine Vorfahren.
  • Als Pharisäer durch und durch war er treu gegenüber dem Gesetz von Mose.
  • Niemand konnte ihm ein Fehlverhalten bezüglich des mosaischen Gesetzes vorwerfen.

Aber Paulus schließt mit der Feststellung:

Doch genau die Dinge, die ich damals für einen Gewinn hielt, haben mir – wenn ich es von Christus her ansehe – nichts als Verlust gebracht. Mehr noch: Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen ist etwas so unüberbietbar Großes, dass ich, wenn ich mich auf irgendetwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. Seinetwegen habe ich allem, was mir früher ein Gewinn zu sein schien, den Rücken gekehrt; es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll.

Paulus im Brief an die Philipper, Kapitel 3, Verse 7-8 (NGÜ)

Das zu seiner Karriere. Und nun zu seiner Kondition: Er litt an einem Gebrechen, das er als “Pfahl im Fleisch” bezeichnete. Nachdem er Gott dreimal vergeblich gebeten hatte, dass dieser ihn davon befreit, bekommt er folgende Antwort von Gott:

Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.

Paulus zitiert Gott in 2. Korinther 12, 9 (NGÜ)

Das ist mein erstes Statement: Gott wählt Schwache aus, um Großes durch sie zu erreichen! Paulus hat gelernt, dass er mit seiner guten Ausbildung und seinen Fähigkeiten noch lange kein guter Diener Gottes ist. Gott erwählt Törichte, Schwache, Geringe, Verachtete, „Nichtse“. Und warum? Damit sich kein Mensch in der Gegenwart Gottes rühmen kann. Die intelligentesten Christen erkennen irgendwann, dass alles, was Bestand haben soll, von Gott bewirkt sein muss, damit es einen Wert hat.

Man soll Gottes Kraft in uns erkennen, man soll erkennen, dass unsere Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Gott will, dass wir in Abhängigkeit von ihm leben. Damit wir nicht stolz werden (seit DT wissen wir doch alle, dass Stolz und Ichbezogenheit ekelhaft ist), und damit Gott die ganze Ehre bekommt, denn er verdient die ganze Ehre.

2. Gott will, dass wir stark sind

Gott erwählt Schwache, aber wir lesen nirgends in der Bibel, dass wir schwach sein oder bleiben sollen. Gott erwählt Schwache, aber er lässt uns nicht so. Ist es nicht so, dass unsere vermeintliche Stärke oft ein Hindernis ist, Gott zu erleben? Wenn wir meinen, alles zu haben, und auch noch aus eigenem Verdienst, dann fragen wir nicht nach Gott. Und dann lässt er uns auch in Ruhe.

Wenn wir aber unsere Schwachheit erkennen und vor Gott eingestehen, dann ist das ein wichtiger Schritt zur Selbsterkenntnis. Gott gibt denen, die Jesus nachfolgen, seinen Heiligen Geist. Dieser wird bezeichnet als Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit:

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Timotheus 1, 7 (Luther 2017)

Es ist also ganz klar: Gott will, dass wir stark sind, und dafür hat er uns ein besonderes Geschenk versprochen, wenn wir Seine Gnade annehmen: Den Geist der Kraft. Willst Du diese Kraft in Aktion sehen? Dann empfehle ich Dir die Lektüre der Apostelgeschichte.

3. Das Fallbeispiel: Gottes Kraft in Jesus

Ich möchte euch zeigen, dass Jesus uns darin das perfekte Beispiel gegeben hat: Im Leben von Jesus sieht man seine Abhängigkeit von Gott, seinem himmlischen Vater: In seiner Geburt, seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung:

Seine Geburt

Ein Baby, das in einer Krippe liegt. Gibt es etwas Schwächeres? Weißt du, dass Jesus der Schöpfer von allem im Universum ist? Du kannst das in Johannes 1, in Kolosser 1 und in Hebräer 1 lesen: Der Schöpfer des Universums liegt als schwaches Kind in einer Krippe, und seine Lebensaufgabe war es, am Kreuz zu sterben. Gottes Kraft in absoluter Schwachheit.

Sein Leben

Eine gute Beschreibung von Jesus findest Du im Brief an die Hebräer:

Jesus ist ja nicht ein Hoherpriester, der uns in unserer Schwachheit nicht verstehen könnte. Vielmehr war er genau wie wir Versuchungen aller Art ausgesetzt, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass er ohne Sünde blieb.

Hebräer 4, 15-16 (Neue Genfer übersetzung)

Jesus hat nichts aus eigener Kraft getan, er hat immer in Abhängigkeit von seinem Vater gehandelt. Er sagt selbst (Johannes 5, 19):

Und weiter (Johannes 5,30): “Von mir selbst kann ich nichts tun; ich urteile nur, wie ich höre, und mein Urteil ist gerecht, denn ich will nicht mir selbst gefallen, sondern dem, der mich gesandt hat.”

Jesus, dieses geistliche Kraftpaket ohnegleichen, war gewollt und bewusst abhängig von Gott dem Vater und gibt Ihm die Ehre.

Sein Tod

Gibt es etwas Schwächeres als einen ans Kreuz genagelten Menschen? Das übersteigt noch die Schwäche des Babys in der Krippe. Die Menschen um ihn verspotteten ihn, als sein Körper an das Kreuz genagelt wurde: “Er hat andere gerettet, sich selbst kann er nicht retten”.

Hier am Kreuz trifft die menschliche Schwäche von Jesus auf die Kraft Gottes, die ihn später vom Tod auferwecken wird:

Denn er ist gekreuzigt worden in der Schwachheit, aber er lebt durch die Kraft Gottes.”

2. Korinther 13, 4 (Schlachter)

Weil er sich nicht selbst rettete, brachte er allen, die an ihn glauben, die Rettung. Er bezahlte für die Sünde aller Menschen am Kreuz, auch für dich und mich, damit du und ich nicht dafür bezahlen müssen.

Gerade in dieser Demütigung und Schwäche sehen wir die größte Machtdemonstration, die die Welt je gesehen hat. Wir sehen, wie der Sohn Gottes der Menschheit Gnade bringt. Und diejenigen, die die Gnade annehmen, werden lernen, sich ihrer Schwäche zu rühmen, und werden die Stärke erfahren, die aus der Gnade kommt.

unbekannt

Seine Auferstehung

Gott, der Vater, bestätigt das Sündopfer Jesu durch die Auferstehung und Himmelfahrt. Nun sitzt Jesus zur rechten Seite Gottes. Deshalb kann jetzt er sagen: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden…“ (Matth. 28, 18)

4. Die Kraft von Jesus in uns

So wie Jesus in Abhängigkeit von seinem himmlischen Vater lebte, und nichts von sich aus tat, sollen wir in Abhängigkeit von Jesus leben. Er soll am Steuer unseres Lebens sitzen.

Wie erfahren wir das?

Jesus ist für dich und mich am Kreuz gestorben, er hat unsere Sünde getragen, er ist an unserer Stelle gestorben. Der Schuldschein, der gegen uns ausgestellt war, ist an das Kreuz genagelt. (Kolosser 2, 14)

Mit der Annahme dieses Gnadengeschenks beginnt ein Leben in Abhängigkeit von Jesus und in der Kraft von Seinem Heiligen Geist (wenn wir das zulassen). So wie Jesus ohne Gott den Vater nichts tat, sollen wir alles, was wir tun, in Abhängigkeit von Jesus tun. Klar können wir viel auch ohne Ihn tun, aber nichts, was Bestand vor Gott hat. Jesus sagt uns das:

Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wenn ihr in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun

Johannes 15, 5 (Luther 2017)

Wie viel ist nichts? Ohne ihn können wir nichts tun, was in den Augen Gottes relevant ist.

Zeichen dafür, dass wir stark durch Jesus sind

Was sind die Zeichen dafür, dass wir stark sind “im Herrn und in der Kraft seiner Stärke”?

  • Ein dankbares Leben: Wir wissen, dass alles, was gut ist, von Gott kommt
  • Ein Leben des Gebets, weil wir wissen, dass wir eine Beziehung zu ihm brauchen
  • Ein abhängiges Leben, denn ohne ihn können wir nichts tun.

Fazit

Bist du schon mal mit angezogener Handbremse gefahren? Christliches Leben aus eigener Kraft – mit anderen Worten: ohne Jesus – ist genauso: Christsein mit angezogener Handbremse. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Das verursacht viel Anstrengung, und es kommt nicht viel dabei heraus. Eigentlich ist es noch viel schlimmer: Vielleicht eher so, wie wenn man ein schnelles Auto kauft und dann den Leerlauf reintut, das Fenster runterkurbelt und das Auto von außen schiebt. Deshalb sage ich mir wieder neu: Ich muss ran an die Kraftquelle Jesus Christus, wenn ich wirklich stark sein will!

Bildquellen

  • Erwählungsprinzipien Gottes: © Andreas Winkler, Bibeltext nach Luther 2017
  • Der-Sohn-kann-nichts-von-sich-aus-tun: © Andreas Winkler
  • Blume-in-Trockenheit: Bild von klimkin auf Pixabay

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