Der Kanon der Bibel: Welche Bücher gehören wirklich dazu?
📖 Haben wir wirklich die richtigen 66 Bücher in der Bibel? Oder wurden wichtige Texte absichtlich weggelassen? Rund um den sogenannten Kanon der Bibel kursieren viele Theorien – manche fundiert, andere spekulativ. Im Internet findest du dazu eine Fülle von Informationen – doch nicht alle sind zuverlässig.
Was ist ein Kanon? Das Wort »Kanon« bezeichnet eine Zusammenstellung von heiligen Schriften, die von einer religiösen Gemeinschaft als verbindlich anerkannt wird (vgl. https://www.die-bibel.de/wissen-zur-bibel/kanon).
In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick:
Wann wurde der biblische Kanon festgelegt? Wer entschied darüber? Und warum wurden manche Bücher – wie das Thomasevangelium – nicht aufgenommen?
Diese Fragen sind nicht nur historisch spannend, sondern auch theologisch relevant. Immer wieder wird behauptet, dass sogenannte apokryphe Schriften gleichwertig seien mit den biblischen Büchern. Manche Verschwörungstheorien – etwa im Roman Der Da Vinci Code von Dan Brown – greifen das auf und verbreiten Unsicherheit, ob der Kanon der Bibel die richtigen Bücher enthält.
👉 Hier findest du eine kompakte, fundierte Zusammenfassung, damit du dich nicht durch seitenlange Fachartikel wühlen musst. Und wenn du tiefer einsteigen willst, findest du am Ende weiterführende Quellen.
Zweifelst du grundsätzlich an der Verlässlichkeit der Bibel? Dann empfehle ich dir meine beiden Artikel:
Die Bibel – ist sie richtig überliefert?
Die Bibel – ist sie glaubwürdig?
Wer entschied, welche Bücher ins Alte Testament gehören?
Der jüdische Kanon (Tanach)
Die jüdische Bibel, der Tanach, enthält inhaltlich dieselben Schriften wie das christliche Alte Testament, zählt sie aber anders und kommt auf 24 Bücher. Die Zusammenstellung erfolgte durch jüdische Schriftgelehrte. Wann sie vollständig abgeschlossen war, ist nicht exakt datierbar. Man geht jedoch davon aus, dass die heutige Reihenfolge spätestens im 2. Jahrhundert n. Chr. festgelegt wurde. Bereits zuvor war weitgehend klar, welche Schriften zum Kanon gehören sollten.
„Vieles deutet darauf hin, dass erste Schritte zu dieser festen Textgestalt von Esra, dem Schreiber, unternommen wurden.“
aus: Jüdisches Leben Erfurt
Demnach war bereits um 450 v. Chr. (Zeit Esras) klar, welche Bücher zum Tanach gehören. Diese Festlegung wurde von Jesus und den Aposteln übernommen. Paulus bestätigt die Autorität der jüdischen Gelehrten in seinem Brief an die Römer:
„Nun, die Juden haben den anderen Menschen in jeder Hinsicht viel voraus. Vor allem ist es das eine, dass Gott ihnen seine Worte anvertraut hat.“
Römer 3,2 (NGÜ)
Apokryphen, also Texte außerhalb des Tanach, wurden im Judentum nie als gleichwertig akzeptiert. Dazu gehören unter anderem: 1. und 2. Buch Esra, Tobias, Judit, Weisheit Salomos, Baruch, Brief des Jeremias, Gebet des Manasse sowie Zusätze zu Ester und Daniel.
Warum fehlen die alttestamentlichen Apokryphen in den meisten Bibeln?
⚠️ Die Apokryphen wurden aus guten Gründen nicht in den hebräischen Kanon aufgenommen:
- Sie enthalten historische Fehler.
- Sie zeigen legendenhafte Erzählungen.
- Sie widersprechen inhaltlich anerkannten biblischen Lehren.
- Sie enthalten Elemente des Aberglaubens (z. B. Tobias).
- Sie werden im Neuen Testament nicht zitiert.
- Sie wurden erst 1546 beim Konzil von Trient für kanonisch erklärt.
Mehr dazu: Gehören die Apokryphen in die Bibel?
Unterschiede zwischen evangelischem und katholischem Kanon
Das evangelische Alte Testament umfasst 39 Bücher, die mit dem jüdischen Kanon übereinstimmen. Die katholische Bibel enthält darüber hinaus sieben sogenannte deuterokanonische Schriften.
Diese zusätzlichen Bücher wurden 1546 im Zuge der Gegenreformation beim Konzil von Trient aufgenommen. Vermutlich geschah das, um kirchliche Traditionen und Lehren wie das Gebet für die Toten zu rechtfertigen. Diese nichtbiblischen Lehren wurden nämlich von der Reformation infrage gestellt.
Wie entstand das Neue Testament?
Bereits im 1. Jahrhundert anerkannt
Schon um 95 n. Chr. zitiert Clemens von Rom aus dem Matthäusevangelium.
Polykarp wurde ca. 70 n. Chr. Christ. Er zitiert aus dem Epheserbrief von Paulus (Kap. 4, 26) und bezeichnet den Text als „Heilige Schrift“. In einem Brief an die Philipper bezieht er sich auf 16 neutestamentliche Schriften (vgl. Brian H. Edwards: „Die Wahrheit der Bibel“).
Wie wurde der Kanon des NT festgelegt?
Der Kanon wurde nicht von einem kirchlichen Konzil festgelegt, sondern war bereits viel früher anerkannt. Athanasius listete im Jahr 367 im Osterbrief exakt die 27 Schriften auf, die heute im Neuen Testament stehen. Das Konzil von Karthago bestätigte diese Auswahl lediglich. Weitere Details:
- 115 n. Chr.: Ignatius von Antiochien nennt die vier Evangelien; Ignatius und Polykarp erwähnen die 13 Paulus-Briefe (inkl. des Hebräerbriefs, dessen Autorschaft damals noch klar dem Paulus zugeschrieben wurde).
- 140 n. Chr.: Marcion fordert durch seine Irrlehren eine Klarstellung heraus.
- 265–340 n. Chr. lebte der Kirchenhistoriker Eusebius. Er schreibt, dass der Kanon „von der Mehrheit der Gemeinden anerkannt war“.
Einige Briefe (der 2. Petrusbrief, der 2. und 3. Johannesbrief, der Jakobusbrief und der Judasbrief) wurden noch kontrovers diskutiert, aber schließlich auch aufgenommen.
Warum gehören neutestamentliche Apokryphen nicht zur Bibel?
⚠️ Diese Schriften entstanden meist deutlich später und enthalten Inhalte, die im Widerspruch zu Jesu Lehren stehen. Das sogenannte Kindheitsevangelium des Thomas z. B. wurde erst im 2. Jahrhundert verfasst und kann somit nicht vom biblischen Thomas stammen. Es berichtet, dass Jesus als Kind einen Spielkameraden verflucht. Solche Aussagen widersprechen völlig dem biblischen Bild von Jesus.
Eine dieser Erzählungen aus dem „Kindheitsevangelium“ fand sogar Eingang in den Koran (z. B. Sure 3,49) – was zur Behauptung führte, die Evangelien seien gefälscht. Dieses Buch wurde jedoch nie von der frühen Kirche anerkannt.
Hat die Kirche den Kanon willkürlich festgelegt?
Die Auswahl der biblischen Bücher erfolgte nicht aus kirchenpolitischem Kalkül. Viele Inhalte der Bibel widersprechen kirchlichen Praktiken. Das Trienter Konzil fügte 1546 Apokryphen hinzu, um kirchliche Lehren zu stützen, nicht um den Kanon zu manipulieren.
⚠️ Dan Browns Roman „Sakrileg“ verbreitete falsche Behauptungen über angeblich verborgene Evangelien. Eine sachliche Widerlegung bietet Alexander Schick.
Warum ist das alles wichtig?
Wenn Lehren auf Bücher gestützt werden, die nie allgemein als biblisch anerkannt waren, solltest du skeptisch sein. Die kanonischen Schriften sind ausreichend, klar und prüfbar.
Fazit: Verlass dich auf das Original: Der Kanon der Bibel enthält die richtigen Bücher
Die Apokryphen sind nichts Geheimes, du findest sie im Internet. Doch mein Tipp: Nutze deine Zeit lieber für die Lektüre der anerkannten biblischen Schriften. Apokryphe Texte sind oft spekulativ, widersprüchlich und theologisch fragwürdig. Die 66 Bücher der Bibel bieten dir genügend Wahrheit, Tiefe und Orientierung für deinen Glauben.
Quellen:
Zum Weiterlesen und -hören:
- Ist die Bibel glaubwürdig?
- Ist die Bibel richtig überliefert?
- Brian H. Edwards: „Die Wahrheit der Bibel“ (3L Verlag, 2013)
- Vortrag auf Youtube mit Beispielen: Die unbekannten Evangelien – Warum stehen sie nicht in der Bibel? – Dr. Guido Baltes
Bildquellen / Image Sources
- Buecher-der-Bibel: https://christlicheperlen.wordpress.com/
