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Der Kanon der Bibel: Welche Bücher gehören dazu?

Der Kanon der Bibel

von Andi
Die Bücher der Bibel, dargestellt in einer Grafik, sortiert nach AT und NT, darin nach geschichtlichen Büchern, den Schriften und den Propheten im AT. Im NT nach den Evangelien, den Paulusbriefen, den sonstigen Briefen und der Prophetie (Offenbarung).

Last Updated on 8. Juni 2026 by Andi

Welche Bücher gehören dazu?

Haben wir wirklich die richtigen 66 Bücher in der Bibel? Oder wurden wichtige Texte absichtlich weggelassen? Rund um den sogenannten Kanon der Bibel kursieren viele Theorien – manche fundiert, andere spekulativ. Im Internet findest du dazu eine Fülle von Informationen, doch nicht alle sind zuverlässig.

Der Kanon – also die verbindliche Sammlung heiliger Schriften – umfasst in der evangelischen Bibel genau 66 Bücher. Doch wer hat das entschieden, und warum wurden andere Texte ausgeschlossen? (Mehr zum Kanon hier: https://www.die-bibel.de/wissen-zur-bibel/kanon).

In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick:
Wann wurde der biblische Kanon festgelegt? Wer entschied darüber? Und warum wurden manche Bücher – wie das Thomasevangelium – nicht aufgenommen?

Diese Fragen sind nicht nur historisch spannend, sondern auch theologisch relevant. Immer wieder wird behauptet, dass sogenannte apokryphe Schriften gleichwertig seien mit den biblischen Büchern. Manche Verschwörungstheorien – etwa im Roman Der Da Vinci Code von Dan Brown – greifen das auf und verbreiten Unsicherheit, ob der Kanon der Bibel die richtigen Bücher enthält.

Hier findest du eine kompakte, fundierte Zusammenfassung, damit du dich nicht durch seitenlange Fachartikel wühlen musst. Und wenn du tiefer einsteigen willst, findest du am Ende weiterführende Quellen.

Zweifelst du grundsätzlich an der Verlässlichkeit der Bibel? Dann empfehle ich dir meine beiden Artikel:

Die Bibel – ist sie richtig überliefert?
Die Bibel – ist sie glaubwürdig?

Fangen wir mit dem Alten Testament an, denn dort liegt der historische Ursprung der Kanonsfrage:

Wer entschied, welche Bücher ins Alte Testament gehören?

Der jüdische Kanon (Tanach)

Die jüdische Bibel, der Tanach, enthält inhaltlich dieselben Schriften wie das christliche Alte Testament, zählt sie aber anders und kommt auf 24 Bücher. Diese Zusammenstellung erfolgte durch jüdische Schriftgelehrte. Wann sie vollständig abgeschlossen war, ist nicht exakt datierbar. Man geht jedoch davon aus, dass die heutige Reihenfolge spätestens im 2. Jahrhundert n. Chr. festgelegt wurde. Bereits zuvor war weitgehend klar, welche Schriften zum Kanon gehören sollten.

„Vieles deutet darauf hin, dass erste Schritte zu dieser festen Textgestalt von Esra, dem Schreiber, unternommen wurden.“

aus: Jüdisches Leben Erfurt

Demnach war bereits um 450 v. Chr. (Zeit Esras) klar, welche Bücher zum Tanach gehören. Diese Festlegung wurde von Jesus und den Aposteln übernommen. Paulus bestätigt die Autorität der jüdischen Gelehrten in seinem Brief an die Römer:

„Nun, die Juden haben den anderen Menschen in jeder Hinsicht viel voraus. Vor allem ist es das eine, dass Gott ihnen seine Worte anvertraut hat.“

Römer 3,2 (NGÜ)

Apokryphen, also Texte außerhalb des Tanach, wurden im Judentum nie als gleichwertig akzeptiert. Dazu gehören unter anderem: 1. und 2. Buch Esra, Tobias, Judit, Weisheit Salomos, Baruch, Brief des Jeremias, Gebet des Manasse sowie Zusätze zu Ester und Daniel.

Warum fehlen die alttestamentlichen Apokryphen in den meisten Bibeln?

Die Apokryphen wurden aus guten Gründen nicht in den hebräischen Kanon aufgenommen:

  • Sie enthalten historische Fehler.
  • Sie zeigen legendenhafte Erzählungen.
  • Sie widersprechen inhaltlich anerkannten biblischen Lehren.
  • Sie enthalten Elemente des Aberglaubens (z. B. Tobias).
  • Sie werden im Neuen Testament nicht zitiert.
  • Sie wurden erst 1546 beim Konzil von Trient für kanonisch erklärt.

Mehr dazu: Gehören die Apokryphen in die Bibel?

Unterschiede zwischen evangelischem und katholischem Kanon

Das evangelische Alte Testament umfasst 39 Bücher, die mit dem jüdischen Kanon übereinstimmen. Die katholische Bibel enthält darüber hinaus sieben sogenannte deuterokanonische Schriften.

Diese zusätzlichen Bücher wurden 1546 im Zuge der Gegenreformation beim Konzil von Trient aufgenommen. Vermutlich geschah das als Reaktion auf die Reformation. Die Reformatoren stellten nämlich kirchliche Traditionen wie das Gebet für die Toten infrage. Diese Lehren finden sich nicht in den anerkannten biblischen Schriften – wohl aber in den Apokryphen.

Ähnliche Fragen stellen sich beim Neuen Testament: Welche Schriften wurden warum aufgenommen, und welche nicht?

Wie entstand das Neue Testament?

Bereits im 1. Jahrhundert anerkannt

Schon um 95 nach Christus zitierte Clemens von Rom aus dem Matthäusevangelium.

Polykarp wurde ca. 70 n. Chr. Christ und kannte noch den Apostel Johannes persönlich, was ihn zu einem besonders verlässlichen Zeugen macht. In einem Brief an die Philipper zitiert er aus dem Epheserbrief des Paulus und bezeichnet ihn als „Heilige Schrift“. Außerdem bezieht er sich in diesem Brief auf 16 neutestamentliche Schriften. Das beweist, dass diese schon damals anerkannt waren.

Wie wurde der Kanon des NT festgelegt?

Viele Menschen glauben, der Kanon sei von der Katholischen Kirche festgelegt worden – doch das stimmt nicht. Die 27 Schriften des Neuen Testaments waren bereits viel früher anerkannt, bevor ein Konzil sie offiziell bestätigte. Athanasius listete sie im Jahr 367 im Osterbrief vollständig auf; das Konzil von Karthago übernahm diese Auswahl lediglich.

Hier sind weitere Details:

  • 115 n. Chr.: Ignatius von Antiochien nennt die vier Evangelien; Ignatius und Polykarp erwähnen die 13 Paulus-Briefe (inkl. des Hebräerbriefs, dessen Autorschaft damals noch klar dem Paulus zugeschrieben wurde).
  • 140 n. Chr.: Marcion fordert durch seine Irrlehren eine Klarstellung heraus.
  • 265–340 n. Chr. lebte der Kirchenhistoriker Eusebius. Er schreibt, dass der Kanon „von der Mehrheit der Gemeinden anerkannt war“.

Einige Briefe (der 2. Petrusbrief, der 2. und 3. Johannesbrief, der Jakobusbrief und der Judasbrief) wurden noch kontrovers diskutiert, aber schließlich auch aufgenommen.

Warum gehören neutestamentliche Apokryphen nicht zur Bibel?

Diese Schriften entstanden meist deutlich später und enthalten Inhalte, die im Widerspruch zu Jesu Lehren stehen. Zum Beispiel das sogenannte Kindheitsevangelium des Thomas: Es wurde erst im 2. Jahrhundert verfasst und kann somit nicht vom biblischen Thomas stammen. So berichtet es, dass Jesus als Kind einen Spielkameraden verflucht. Solche Aussagen widersprechen völlig dem biblischen Bild von Jesus.

Eine dieser Erzählungen aus dem „Kindheitsevangelium“ fand sogar Eingang in den Koran (z. B. Sure 3,49), was zur Behauptung führte, die Evangelien seien gefälscht. Dieses Buch wurde jedoch nie von der frühen Kirche anerkannt.

Hat die Kirche den Kanon willkürlich festgelegt?

Die Auswahl der biblischen Bücher erfolgte nicht aus kirchenpolitischem Kalkül. Im Gegenteil: Viele Inhalte der Bibel widersprechen kirchlichen Praktiken. Erst das Trienter Konzil fügte im Jahr 1546 die Apokryphen hinzu, um kirchliche Lehren zu stützen. Der Kanon selbst, die anerkannten Bücher der Bibel, wurden nie in Frage gestellt.

Warum ist das alles wichtig?

Wenn Lehren auf Bücher gestützt werden, die nie allgemein als biblisch anerkannt waren, solltest du skeptisch sein. Weil die kanonischen Schriften ausreichend, klar und prüfbar sind, musst du dich nicht auf fragwürdige Quellen verlassen, die oft spekulativ und widersprüchlich sind.

Fazit: Der Kanon der Bibel enthält die richtigen Bücher.

Die Apokryphen sind nichts Geheimes, du findest sie im Internet. Mein Tipp: Nutze deine Zeit lieber für die Lektüre der anerkannten biblischen Schriften. Denn die apokryphen Texte sind oft spekulativ, widersprüchlich und theologisch fragwürdig. Die 66 Bücher der Bibel bieten dir genügend Wahrheit, Tiefe und Orientierung für deinen Glauben.

Quellen:

Zum Weiterlesen und -hören:

Bildquellen / Image Sources

  • Buecher-der-Bibel: https://christlicheperlen.wordpress.com/

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