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Heilslehre der Neuapostolischen Kirche – kritisch hinterfragt

von Andi
Die Heilslehre der Neuapostolischen Kirche beinhaltet das Sakrament der Versiegelung durch einen NAK-Apostel, was hier im Bild dargestellt wird.

Wie wird man laut Neuapostolischer Kirche gerettet?

Kurzantwort: Nach der Neuapostolischen Kirche wird man mittels Taufe und Versiegelung mit Heiligem Geist durch einen NAK-Apostel zum Gotteskind. So erhält man die Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi entrückt zu werden. Eine Heilsgewissheit kennt die NAK nicht.

Wie kommt ein Mensch in den Himmel? Oder anders gefragt: Wie kann ein Mensch gerettet werden? Die Frage nach der Rettung und Gerechtigkeit vor Gott ist das Zentrum christlicher Theologie und die Hauptbotschaft des Neuen Testaments. Die Heilslehre der Neuapostolischen Kirche (NAK) unterscheidet sich deutlich von dieser biblischen Botschaft des Evangeliums.

Während die Bibel eindeutig betont, dass allein durch Glauben an Jesus Christus das Heil geschenkt wird (vgl. Röm 5,1; Joh 3,16), hat die Neuapostolische Kirche (NAK) ein eigenes System entwickelt. Dieses stellt die Sakramente und insbesondere das Apostelamt in den Mittelpunkt des Heilsweges. Dabei ist interessant, dass das Wort „Rettung“ in der neuapostolischen Theologie gar nicht vorkommt, denn eine Heilsgewissheit lehrt die NAK nicht. Hier erkläre ich dir genau die Heilslehre der Neuapostolischen Kirche.

1. Die Sakramente als „Gnadenmitteilungen Gottes“

Der Katechismus der NAK beschreibt das so:

Sakramente sind grundlegende Gnadenmitteilungen Gottes. Es sind heilige Handlungen, die am Menschen vollzogen werden, damit er das Heil erlangt, in die Lebensgemeinschaft mit Gott aufgenommen zu werden und in ihr erhalten zu bleiben. Der Empfang der drei Sakramente eröffnet die Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi mit dem Herrn vereint zu werden. (Katechismus Kapitel 8)

Die NAK meint damit drei Handlungen: Die Taufe, die Versiegelung durch einen NAK-Apostel und das Abendmahl. Sie eröffnen „die Möglichkeit„, bei der Wiederkunft Christi mit Jesus vereint zu werden.

Beachtet, dass es hier um eine „Möglichkeit“ geht, nicht um Gewissheit, denn die Lehre der NAK ist stark auf Werksgerechtigkeit aufgebaut: Schlussendlich muss sich der Gläubige auch nach dem Empfang dieser Sakramente „bemühen“, das Ziel des Glaubens zu erreichen. Das heißt nach neuapostolischer Lesart: Immer treu Jesus nachzufolgen (d.h. den NAK-Apostel nachzufolgen), die Gottesdienste besuchen, das Abendmahl genießen und Gutes tun.

Damit unterscheidet sich die NAK von der Botschaft der Bibel: nicht der Glaube allein, sondern das Empfangen bestimmter Sakramente in Verbindung mit dem eigenen Bemühen gilt als Voraussetzung für das Heil. Die Bibel macht auch keinen Unterschied zwischen „Gotteskind“ und „gerettet sein“ und spricht somit nirgendwo von einer Sondergruppe innerhalb der gläubigen Christenheit.

2. Wiedergeburt aus Wasser und Geist – die Versiegelung in der Neuapostolischen Kirche

Zentral ist der Gedanke, dass sich die Wiedergeburt durch zwei Amtshandlungen vollzieht:

Durch die Hinnahme der beiden Sakramente Heilige Wassertaufe und Heilige Versiegelung geschieht die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. (Katechismus Kap. 8.1.8)

Nur in diesem Zusammenspiel wird ein Mensch nach neuapostolischem Verständnis ein „Gotteskind“.

Die Taufe in anderen Kirchen wird durch die NAK grundsätzlich anerkannt. Doch erst durch die Versiegelung, also die Taufe mit Heiligem Geist, wird nach neuapostolischer Lehre die Wiedergeburt vollendet.

Die NAK bezieht sich dabei auf Johannes 3,5. Die Bibel sagt klar an dieser Stelle etwas anderes. Lest dazu gerne mal das ganze Kapitel Johannes 3, das Gespräch von Jesus mit Nikodemus. Mit dem Wasser meint Jesus aber hier nicht die Taufe. Es ist wichtig, dieses Kapitel im Zusammenhang zu lesen. Jesus erklärt in diesem Gespräch dem Nikodemus genau, was er meint. Die Erklärung gipfelt in Johannes 3, 16: Alle, die an Jesus glauben, gehen nicht verloren und haben ewiges Leben. Das Wasser steht in diesem Zusammenhang sinnbildlich für die Reinigung durch Gott.

Ein persönliches Erlebnis hierzu: In meiner letzten Zeit als Mitglied wurde ich wegen meiner kritischen Fragen zum zuständigen Bischof der NAK vorgeladen. Im Gespräch zitierte ich Johannes 3,16 als Hinweis, dass es hier nicht um Sakramente geht. Seine spontane Reaktion war: „Was? Das steht im gleichen Zusammenhang?“ Er sprang auf, holte seine Bibel und blätterte nach. Für mich war es sehr aufschlussreich zu erleben, dass selbst ein Bischof eine so zentrale Bibelstelle noch nie im Zusammenhang gelesen hatte.

3. Die „Heilige Versiegelung“ – exklusiv durch NAK-Apostel

Der Katechismus beschreibt:

Die Heilige Versiegelung ist das Sakrament, durch das der Gläubige unter Handauflegung und Gebet eines Apostels die Gabe des Heiligen Geistes empfängt und ein Gotteskind mit der Berufung zur Erstlingsschaft wird. (Katechismus Kap. 8.3)

Dabei betont die NAK ausdrücklich:

Das Sakrament der Heiligen Versiegelung wird ausschließlich von Aposteln gespendet.
(Katechismus Kap. 8.3.6)

Damit bindet sie ihr zentrales Heilsgeschehen an das eigene Apostelamt. (Mehr zur Exklusivität der NAK in diesem Artikel: Neuapostolische Kirche – Kritik am exklusiven Kirchenverständnis.)

Voraussetzungen für die Versiegelung sind:

  • Glaube an den dreieinigen Gott
  • Glaube an die von Jesus gesandten Apostel (nach NAK-Verständnis sind das die NAK-Apostel)
  • Gültige Wassertaufe (d.h. trinitarisch gespendet)
  • Bekenntnis des Glaubens und Gelöbnis, Christus nachzufolgen (nach NAK-Verständnis ist damit die Nachfolge gegenüber den NAK-Aposteln gemeint)
    (Katechismus Kap. 8.3.7 mit Anmerkungen von mir)

Durch die Versiegelung gehört der Gläubige nun zum „Erlösungswerk des Herrn“ (damit ist die Neuapostolische Kirche gemeint).

Die Versiegelung wird auch bei Kindern (und Säuglingen) vollzogen, wobei in diesem Fall die Eltern stellvertretend den Glauben bekennen und die „Erziehung im neuapostolischen Glauben geloben“.

Warum das Apostelamt für die NAK so zentral ist, habe ich bereits im Artikel über das Apostelamt ausführlich erklärt.

4. Entrückung und Erstlingschaft im neuapostolischen Verständnis

Die Wiederkunft Jesu Christi ist das wichtigste Ereignis, auf das die NAK wartet. Das ultimative Ziel der Lehre der NAK ist es, an der ersten Auferstehung, auch Entrückung genannt, teilzuhaben. Der Katechismus sagt:

Von ihm bei diesem Ereignis angenommen zu werden, ist das Glaubensziel der neuapostolischen Christen.
(Katechismus Kap. 10.1)

Die Entrückung bei der Wiederkunft Christi ist zunächst jenen zugesagt, denen die Wiedergeburt aus Wasser und Geist zuteilgeworden ist und die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen. Ob darüber hinaus Gott anderen Menschen die Gnade der Entrückung zuteilwerden lässt, entzieht sich menschlicher Beurteilung und unterliegt der Entscheidung Gottes.
(Katechismus Kap. 10.1.2)

Diejenigen, die von den Aposteln der NAK versiegelt wurden, werden als „Braut Christi“ bezeichnet. Ihnen wird gemäß der Lehre der NAK zuallererst zugesagt, bei seiner Entrückung von Christus angenommen zu werden. Gleichzeitig fügt der Katechismus vorsichtig hinzu, dass Gott in seiner Souveränität auch anderen Gnade gewähren kann.

Eine persönliche Bemerkung dazu: In den Predigten der NAK wird immer wieder betont, dass der sicherste Weg für die Teilnahme an der Entrückung die NAK-Nachfolge ist. Früher wurde das als ausschließlicher Weg bezeichnet, heute ist man vorsichtiger und gesteht Gott zu, souverän zu handeln und auch „Ausnahmen“ zuzulassen. Ich erinnere mich an eine Predigt von Bezirksapostel Saur in Backnang, wo er sinngemäß sagte: „Die Wiederkunft Jesu gilt nur für uns.“

5. Konsequenzen der Heilslehre der Neuapostolischen Kirche

Die Lehre der NAK stellt das Heil in einen engen institutionellen Rahmen:

  • Das Heil hängt an der Spendung der Sakramente.
  • Das NAK-Sakrament der Versiegelung ist wiederum an das Apostelamt gebunden
  • Damit haben die Apostel der NAK nach eigener Lehre eine Schlüsselstellung für den Zugang zum Heil.

Kritisch ist festzuhalten: Während die Bibel betont, dass allein Jesus Christus rettet (Apg 4,12; Joh 14,6 und viele andere Bibelstellen bezeugen das), wurde in der NAK ein sakramentales System entwickelt, das ohne die Apostel der NAK nicht zur Vollendung gelangt.

6. Biblischer Vergleich: Rettung allein durch Christus

Es gibt einige „Knackpunkte“ in der Theologie der NAK, die ich kurz anreißen möchte:

Heiliger Geist ohne Apostel

Die Apostelgeschichte zeigt, dass der Heilige Geist auch ohne apostolische Handauflegung ausgegossen wurde (z.B. in Apg 10,44–48).

Die NAK verweist auf Begebenheiten, die in der Apostelgeschichte berichtet werden, bei denen tatsächlich Apostel die Hände auflegten und die Gläubigen den Heiligen Geist empfingen. Diese Handauflegungen in Samarien und Ephesus sind allerdings nicht die Norm. Dass sie heilsgeschichtlich einmalig waren, beweist die Lehre des Neuen Testaments, die in den Evangelien und Lehrbriefen entfaltet wird.

Die Apostelgeschichte beschreibt unterschiedliche Begebenheiten. Durch die Lehrbriefe und die Evangelien können diese richtig eingeordnet werden. Es scheint, als reisse die NAK Begebenheiten aus dem Zusammenhang, anstatt klare Lehre im Neuen Testament richtig einzuordnen.

Versiegelung durch Glauben

Die Versiegelung findet laut Epheser 1, 13 durch Gott statt, wenn ein Mensch das Evangelium gehört hat und an Jesus Christus glaubt:

In ihm (= Jesus) seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist. (Epheser 1, 13 nach Luther 2017)

Ein Beispiel aus der Apostelgeschichte ist die Bekehrung des Eunuchen aus Äthiopien, der von Philippus nach dem Bekenntnis seines Glaubens getauft wurde und danach „fröhlich“ weiterzog. Die Bibel zeigt hier klar, dass die Bekehrung mit anschließender Taufe ohne nachfolgende Versiegelung ausreichend war. (siehe Apostelgeschichte 8, 26-39)

Glaube an Christus als alleinige Rechtfertigung vor Gott

Die biblische Botschaft lautet: Rettung ist allein Gottes Gnade, empfangen durch Glauben. Paulus betont mehrmals, dass allein der Glaube an Christus rechtfertigt, zum Beispiel hier:

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. (Römer 5, 1 laut Luther 2017)

Nicht die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder der Glaube an ein Amt. Jede Institutionalisierung des Heils birgt die Gefahr, das Werk Christi zu relativieren.

7. Fazit

Wie wird man laut der Neuapostolischen Kirche gerettet? Da die NAK keine Heilsgewissheit kennt, entscheidet sich dies nach ihrer Lehre erst bei der Wiederkunft Christi. Deshalb spricht sie lediglich von der „Möglichkeit, bei der Wiederkunft Christi mit Jesus vereint zu werden“. Voraussetzung dafür sind nach neuapostolischem Verständnis die Taufe und die Versiegelung durch einen NAK-Apostel sowie der regelmäßige Empfang des Abendmahls in Verbindung mit Nachfolge und Treue zur Kirche.

Die Heilslehre der Neuapostolischen Kirche verknüpft das Heil mit ihren Sakramenten und besonders mit dem Apostelamt. Durch die Exklusivität der Heiligen Versiegelung beansprucht sie eine besondere Heilsnotwendigkeit.

Im Vergleich zur Bibel wird jedoch deutlich: Christus allein rettet, nicht kirchliche Ämter oder menschliche Institutionen. Genau hier liegt der entscheidende Widerspruch zwischen neuapostolischer Heilslehre und dem neutestamentlichen Evangelium. Wer dem vollbrachten Werk Christi am Kreuz etwas angeblich Heilsnotwendiges hinzufügt, der verschleiert den von Gott gelegten Weg des Heils. Die Exklusivität der NAK ist ein Irrweg. Es ist ein „anderes Evangelium“, vor dem Paulus im Galaterbrief sehr ernst warnt (siehe Galater 1, 8).

Christus genügt! Genau hier entscheidet sich, ob es um das Evangelium oder um ein anderes Evangelium geht:

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Epheser 2, 8-9

Welche Konsequenzen ziehst du daraus? Hast du Fragen? Melde dich gerne.

FAQ

Wie versteht die Neuapostolische Kirche die Rettung?

Die NAK lehrt keine Rettung im Sinne einer Heilsgewissheit. Nach der NAK eröffnet Taufe, Versiegelung durch einen NAK-Apostel, Teilnahme am Heiligen Abendmahl und ein treues Leben in der Kirche die „Möglichkeit“, bei der Wiederkunft Christi angenommen zu werden.

Welche Bedeutung hat die Versiegelung in der NAK?

Die Versiegelung gilt als wesentliches Sakrament und wird ausschließlich von NAK-Aposteln gespendet. Sie soll die Gabe des Heiligen Geistes verleihen und macht nach NAK-Lehre einen Menschen zum Kind Gottes, verbunden mit der Hoffnung auf Teilnahme an der ersten Auferstehung, wobei die NAK darunter die Entrückung der Gläubigen versteht.

Glaubt die NAK, dass nur ihre Mitglieder gerettet werden können?

Offiziell betont die NAK, dass Gott souverän handelt. In der Praxis wird jedoch gelehrt, dass die sicherste Teilnahme an der Entrückung durch die NAK-Apostel gewährleistet wird. Das führt zu einer stark exklusiven Ausrichtung der Heilslehre.

Wie beschreibt die Bibel die Rettung im Vergleich zur NAK?

Die Bibel lehrt, dass die Rettung allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus geschieht (z.B. Epheser 2,8–9). Die NAK fügt jedoch sakramentale und apostolische Bedingungen hinzu, die über die neutestamentliche Botschaft hinausgehen.

Weiterführende Infos

Übersicht aller Artikel über die Lehren der NAK
Der Fels – Petrus, Jesus oder Gott? (oder der Stammapostel der NAK?)
Der NAK-Katechismus zum Nachlesen

Bildquellen / Image Sources

  • Heilslehre-der-Neuapostolischen-Kirche: Erstellt durch Gemini KI

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