Home Neuapostolische Kirche KritikNeuapostolische Kirche: Die Wiederkunft Christi aus Sicht der NAK – was lehrt die Bibel?

Neuapostolische Kirche: Die Wiederkunft Christi aus Sicht der NAK – was lehrt die Bibel?

von Andi
Die Bibelstelle 1. Thessalonicher 4, 13-14 zeigt, dass bei der Wiederkunft Jesu die dabei sind, die glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, die also einen lebendigen Glauben an Jesus Christus haben.

Last Updated on 26. Februar 2026 by Andi

Inhaltsverzeichnis

Vergleich der NAK Lehre über die Wiederkunft Christi mit der Bibel

Was lehrt die Neuapostolische Kirche (NAK) über die Wiederkunft Christi? In diesem Artikel vergleiche ich den NAK-Katechismus mit biblischen Aussagen zur Entrückung und der Braut Christi.

Das Kapitel 10 des NAK-Katechismus („Die Lehre von den zukünftigen Dingen“) bildet die Grundlage meiner Analyse. Hier finden wir zentrale Aussagen über die Wiederkunft Christi sowie die Entrückung. Außerdem untersuche ich den Anspruch der Kirche, die „Braut Christi“ auf dieses Ereignis vorzubereiten.

1. Einleitung: Wie habe ich das erlebt?

Gläubige Christen warten auf die von Jesus verheißene Wiederkunft. Früher dachte ich, das Festhalten an dieser Verheißung sei ein Alleinstellungsmerkmal der Neuapostolischen Kirche. Da wir so gut wie keinen Kontakt zu anderen gläubigen Christen hatten, konnte sich dieser Eindruck festigen. Nachdem ich aus der NAK ausgestiegen war, durfte ich feststellen, dass die Erwartung der Wiederkunft Jesu bei vielen Christen in vielen Gemeinschaften lebendig ist. Oft erlebte ich diese sogar lebendiger als in der NAK. Zudem ist diese Erwartung bei den meisten Gläubigen nicht mit einem schlechten Gefühl verbunden ist. Stattdessen prägt Vorfreude auf die Begegnung mit Jesus den Glauben.

Was ist der Unterschied zwischen dem Glauben der NAK und der biblischen Erwartung der Wiederkunft Jesu?

Lasst uns zunächst einmal schauen, welche Bibelstellen der NAK-Katechismus heranzieht. Andere Kirchen nutzen diese Stellen ebenfalls zentral für diesen Teilaspekt des christlichen Glauben:

2. Zentrale Bibelstellen laut NAK-Katechismus zur Wiederkunft Christi

Bibelstelle Zusammenfassung im Katechismus
Joh. 14,1-3 Christus hat verheißen, die Seinen zu sich zu nehmen. Dies gilt als Verheißung seiner Wiederkunft und der Entrückung der Brautgemeinde.
1. Thess. 4,16-17 Der Herr kommt, um die Entschlafenen und Lebenden, die an ihn glauben, zu sich zu holen. Das ist die Grundlage für die Lehre von der Entrückung.
Offenb. 19,7-9 Das „Hochzeitsmahl des Lammes“ symbolisiert die Vereinigung Christi mit seiner Brautgemeinde.
Mt. 25,1-13 Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen wird als Bild für die Vorbereitung der Gläubigen auf die Wiederkunft Christi verstanden.
Offenb. 22,17.20 Der Geist und die Braut rufen: „Komm!“ – Ausdruck der Erwartungshaltung der Gemeinde.

Der Katechismus versteht die Neuapostolische Kirche als die Gemeinschaft, die besonders mit der Bereitung der „Braut Christi“ beauftragt ist. So soll die Braut bei der Wiederkunft Christi entrückt werden können. Dabei erhalten die Apostel eine zentrale Rolle, da sie die Sakramente vermitteln und die Gläubigen auf die Wiederkunft vorbereiten.1

3. Die Vorbereitung der „Braut Christi“

Nach der NAK-Lehre besteht die Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi aus folgenden Aspekten: 

  • Glauben an das Apostelamt
  • Empfang der Sakramente (Versiegelung, Abendmahl, Taufe)
  • Leben nach dem Evangelium

Die neuapostolische Gemeinde wird als Braut verstanden, die durch Treue, Liebe zu Christus und Wachsamkeit auf die Wiederkunft vorbereitet ist.

4. Kritik an der Lehre der NAK über die Wiederkunft Christi

4.1 Theologische Kritik

Aus theologischer Sicht wird deutlich: Diese Lehre verknüpft sich eng mit dem exklusiven Heilsverständnis der NAK. Demgegenüber steht die Heilszusage des Neuen Testaments. Diese gilt für alle Menschen unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit.

Die Exklusivität einer kirchlichen Gemeinschaft unter einem spezifischen Apostelamt erzeugt Spannungen zu vielen neutestamentlichen Aussagen. Die Gemeinde Jesu beschreibt die Bibel als Gesamtheit aller Gläubigen und als „einen Leib“:

Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.

  1. Korinther 12, 13

Die NAK erkennt an, dass Menschen „durch die Taufe in die Kirche Jesu Christi eingefügt werden (Katechismus S. 320). Dennoch trennt sie zwischen der allgemeinen Christenheit und der „Braut“ als exklusiver Gruppe. In der Bibel ist dieser Unterschied nicht vorhanden. Das zeigt unter anderem Paulus in der oben zitierten Bibelstelle deutlich.

Das Neue Testament beschreibt die Wiederkunft Jesu als Hoffnung für alle Glaubenden. Im Gegensatz dazu beschränkt die NAK-Lehre den Kreis der Entrückten primär auf die eigenen Mitglieder. Diese Diskrepanz bleibt bestehen, auch wenn die Kirche Ausnahmen durch die Souveränität Gottes betont. Eine solche Exklusivität widerspricht dem neutestamentlichen Heilsverständnis, das alle Christen einschließt.

4.2 Seelsorgerliche und ethische Kritik

Seelsorgerlich stellt sich die Frage nach den Folgen der dauerhaften Betonung der „Brautgemeinde“ und der drohenden Nicht-Entrückung. In der Geschichte der NAK führte die ständige Erwartung einer nahen Wiederkunft oft zu innerer Anspannung. Bei Gläubigen entstanden Leistungsdruck und Schuldgefühle, wenn sie sich „nicht würdig“ fühlten. Ein solches religiöses Klima kann zu einer Spiritualität führen, die von Angst statt von Vertrauen geprägt ist.

Eine seelsorgerlich gesunde Lehre sollte das Vertrauen in die Gnade Gottes betonen. Die Leistung des Menschen oder die institutionelle Zugehörigkeit sollten nicht im Fokus stehen. Der Auftrag der Kirche wäre demnach eher, Trost und Hoffnung zu vermitteln. Dabei sollte sie das ewige Heil nicht an Bedingungen knüpfen, die menschlich kaum erfüllbar sind.

4.3 Kritik an der Auslegung der Bibelstellen – Hermeneutische Kritik

Die Deutung der NAK bindet die Brautgemeinde institutionell an die Kirche. Dies wird den biblischen Texten nicht gerecht. Eine ganzheitliche Auslegung des Neuen Testaments legt nahe: „Braut“ und „Hochzeit des Lammes“ sind Ausdruck der endgültigen Vereinigung Christi mit allen Glaubenden.

Die Verheißung der Wiederkunft Jesu soll Trost vermitteln und ist kein primäres Thema im Neuen Testament. Autoren betonen sie immer dann, wenn Verfolgung droht. Sie weitet den Blick der Gläubigen auf die endgültige Vereinigung mit Jesus. Das Evangelium beinhaltet primär das Heilsangebot Gottes im Heute. Es umfasst Sündenvergebung, Rechtfertigung vor Gott, Heilsgewissheit und Freude im täglichen Leben. Wer heute mit Jesus lebt, muss seine Hoffnung nicht aufs Jenseits verlagern. Er kann die Begegnung mit Jesus freudig erwarten.

5. Wer darf an der Wiederkunft Christi teilnehmen? – Eine biblisch-theologische Alternative

Wer darf an der Entrückung teilnehmen? Dies ist eines der zentralen endzeitlichen Themen des Neuen Testaments. Im Folgenden zeige ich auf Grundlage exegetischer Literatur, welche biblischen Kriterien das Neue Testament nennt.

5.1 Grundlegende neutestamentliche Zeugnisse

Die Hauptstellen zur Entrückung (1. Thess. 4; 1. Kor. 15; Joh. 14; Mt. 24) sprechen übereinstimmend von Menschen, die „in Christus“ sind. Sie stehen in einer lebendigen Glaubensbeziehung zu ihm. Paulus betont ausdrücklich: Die Toten in Christus auferstehen zuerst. Danach werden die lebenden Gläubigen zusammen mit ihnen entrückt.

Die entscheidende Bedingung ist nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche. Vielmehr zählt die persönliche Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus. Du wirst gerettet, wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist (Römer 10, 9-10). Die Entrückung betrifft alle, die „durch den Geist Christi“ wiedergeboren sind. Diese Wiedergeburt geschieht, wenn Menschen zum Glauben kommen. Die Bibel ist also eindeutig: Der Glaube an Jesus rettet dich: 

Und nachdem ihr das Wort der Wahrheit, die Freudenbotschaft von eurer Rettung, gehört habt und zum Glauben gekommen seid, wurdet auch ihr durch ihn mit dem versprochenen Heiligen Geist versiegelt.

Epheser 1, 13 (NEÜ)

Diese Rettung schließt ein, dass Jesus dich bei seiner Wiederkunft annimmt. Versiegelung bedeutet Schutz vor fremdem Zugriff. 

Die Bibel ist also eindeutig: Du wirst gerettet durch den Glauben an Jesus. Gott „versiegelt“ dich aufgrund deines Glaubens, und diese Rettung schließt ein, dass du bei der Wiederkunft Jesu von ihm angenommen wirst. 

5.2 Die Gemeinde als „Braut Christi“

In Epheser 5,25-27 wird die Gemeinde als Braut Christi beschrieben. Sein Opfer reinigt und heiligt sie. Diese Beschreibung betrifft die universale Kirche, also alle Gläubigen. Diese Braut ist nicht an eine Institution gebunden. Sie bildet eine geistliche Einheit aller Erlösten. Die Offenbarung 19,7-9 zeigt das Hochzeitsmahl als Symbol dieser Vollendung. Die Einladung gilt allen, die im Buch des Lebens stehen.

5.3 Bedingungen der Teilnahme laut Neuem Testament

  • Wiedergeburt und Glaube: Wer durch den Glauben an Christus neu geboren ist (Johannes 3,3; Titus 3,5), wird bei seiner Wiederkunft angenommen.
  • Heiligung und Wachsamkeit: Gläubige sind zur Wachsamkeit berufen. Dies ist kein Rettungskriterium, sondern Ausdruck lebendigen Glaubens (1. Thessalonicher 5,23 und Matthäus 25,1-13).
  • Bewahrung im Glauben: Die „Krone der Gerechtigkeit“ gilt allen, die seine Erscheinung liebhaben (2. Timotheus 4,8).

Die Wiederkunft Jesu löst keine Furcht, sondern Freude aus. Sie verheißt vollkommene Gemeinschaft mit Christus. Die Teilnahme hängt allein von der Beziehung zu ihm ab, nicht von kirchlichen Strukturen.

6. Vergleich: Biblisch-theologische Sicht vs. Neuapostolische Kirche zur Wiederkunft Christi

Die folgende Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede zwischen der biblisch-theologischen Sicht und der Lehre der NAK. Sie dient als Grundlage für eine kritische Analyse und weitere vertiefende Bearbeitung.

Thema Biblisch-theologische Sicht Lehre der NAK
Grundlage der Teilnahme an der Wiederkunft Christi Persönlicher Glaube an Jesus Christus, Wiedergeburt und Erlösung durch Glauben. Keine kirchliche Zugehörigkeit erforderlich. Zugehörigkeit und Treue zur neuapostolischen Kirche, Empfang des Heiligen Geistes durch Handauflegung eines Apostels der NAK.
Wer ist die Braut Christi? Die universale Gemeinde aller Wiedergeborenen, unabhängig von Konfession oder Institution. Neuapostolische Gläubige, die sich unter Leitung der Kirche auf die Wiederkunft Christi vorbereiten.
Rolle der Apostel Die Apostel der Urkirche haben das Fundament gelegt; eine fortdauernde Heilsvermittlung durch neue Apostel und Sakramente wird nicht gelehrt. Ein fortdauerndes Apostelamt, das notwendig sei, um die Gläubigen auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten.
Verständnis der Entrückung Die Entrückung umfasst alle Gläubigen „in Christus“, unabhängig von kirchlicher Zugehörigkeit.  Nur die „Brautseelen“, d. h. die treuen Neuapostolischen, werden entrückt, auch wenn Gott „Ausnahmen“ zulassen kann.
Heilsverständnis Heil wird allein aus Gnade durch den Glauben empfangen, nicht durch institutionelle Zugehörigkeit oder Sakramente. Das Heil wird in der NAK  sakramental und institutionell vermittelt, durch Taufe, Abendmahl und Versiegelung unter apostolischer Autorität.

7. Abgrenzung zu exklusiven Heilslehren

Die Tabelle verdeutlicht: Die NAK-Lehre vertritt eine exklusive Sicht auf das Heil. Im Gegensatz dazu betont die biblisch-theologische Sicht die universale Einladung Christi. Diese Einladung gilt allen Gläubigen, die durch Gnade erlöst sind. Die Spannung zwischen diesen Ansätzen bildet den Kern der theologischen Kritik.

Das Neue Testament lehnt Vorstellungen ab, wonach nur eine bestimmte Gemeinschaft zur Braut Christi gehört. Dies widerspricht dem neutestamentlichen Zeugnis. Laut der Bibel bilden alle Gläubigen die Glieder seines Leibes (1. Korinther 12,12-13). Der Heilszugang ist allein durch Glauben aufgrund von Gnade möglich:

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Epheser 2, 8-9 (Luther 2017)

8. Was in der NAK fehlt

Die Lehre der NAK betont zwar Hingabe und Wachsamkeit. Dennoch vermisst man oft den Hinweis auf die Freiheit des Glaubens. Die Frage nach der Zugehörigkeit zur „Braut Christi“ lässt sich nicht institutionell beantworten. Allein Gottes Gnade entscheidet hierüber. Auch hat sie nichts mit der persönlichen „Glaubensperformance“ zu tun. Vielmehr schenkt Gott seine Liebe unverdient.  

Wer heute mit Christus lebt, darf ihn mit Freude erwarten. Du musst keine Sorge haben, von Jesus nicht angenommen zu werden. Hierfür benötigt niemand eine spezielle „Zubereitung“ durch NAK-Apostel. 

9. Zusammenfassung

Laut der Heiligen Schrift werden bei der Wiederkunft Jesu alle Gläubigen entrückt. Dies geschieht völlig unabhängig von der kirchlichen Zugehörigkeit oder einem Amt. Wann dies geschieht, weiß niemand. Einzig der Glaube an Jesus ist maßgeblich. Dieser Glaube bewirkt die Wiedergeburt. Die Versiegelung nach Epheser 1, 13 ist die Garantie, dass Gott uns bereits heute erlöst und angenommen hat. Die Bibel ruft zur Hoffnung auf, nicht zur Angst. Die Wiederkunft Jesu ist ein Akt der Gnade für alle, die Gott vertrauen.


10. FAQ zum Thema Wiederkunft Christi

Wer ist laut Bibel die Braut Christi?

Nach biblischem Verständnis ist die Braut Christi die universale Gemeinde aller Gläubigen. Dabei spielt die spezifische kirchliche Institution keine Rolle.

Was lehrt die Neuapostolische Kirche (NAK) über die Entrückung?

Die NAK lehrt, dass primär die durch Apostel versiegelten Gläubigen entrückt werden. Diese Gruppe bezeichnet sie als Brautgemeinde, die am Hochzeitsmahl im Himmel teilnimmt.

Welche Bedingungen nennt die Bibel für die Teilnahme an der Wiederkunft Jesu?

Die Bibel nennt den persönlichen Glauben an Jesus Christus als zentrale Bedingung. Die entscheidende Wiedergeburt durch den Geist Gottes geschieht durch den Glauben (Epheser 1, 13). Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche ist hingegen kein biblisches Kriterium.


Fußnoten:
1. Katechismus der Neuapostolischen Kirche, Kapitel 10.1–10.6, abrufbar unter: https://nak.org/de/kennenlernen/katechismus (Zugriff: November 2025).
2. Ebd., Abschnitt 10.4 „Die Wiederkunft Christi und die Entrückung der Brautgemeinde“.

Hinweis:
Bei der Literatur-Recherche und der Gliederung dieses Artikels half mir ChatGPT.

Zum Weiterlesen: 

Das Lied zum Artikel: 

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Literaturhinweise:
– John F. Walvoord: The Rapture Question (Zondervan, 1979).
– Warren Wiersbe: The Bible Exposition Commentary (Cook, 1989).
– William MacDonald: Believer’s Bible Commentary (Nelson, 1995).
– John MacArthur: The Second Coming (Crossway, 1999).
– F. F. Bruce: The Epistles to the Ephesians and Colossians (Eerdmans, 1984).

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